Niemand hat die Absicht… sich Nutzerdaten zu vergolden

Moderne Messenger-VierfaltigkeitNiemand hat die Absicht…

So sagt man meist, wenn man die große Masse beruhigen will. Zugegeben, Facebook hat den Messenger nicht zugekauft, um einen lästigen Konkurrenten aus dem Weg zu räumen. Vielmehr will man mit dessen Potential, dem riesen Pool real existierender Mobilfunk-Nummern auf den WhatsApp-Servern und, vermutlich, den Auswertungen der Nutzerverhalten und Nachrichteninhalten, über Werbevermarktung langfristig richtig Kasse machen. Das ist ein Teil der Firmenphilosophie hinter Facebook und die Nutzer sollten mittlerweile wissen, das so etwas auf sie zukommen kann.

Nun hat sich, seit der Bekanntgabe des Kaufs von WhatsApp durch Facebook, ein ein enormer Hype um „sichere Alternativen“ zu WhatsApp entwickelt. Zugegeben auch, es gibt „Alternativen“ die sicherer sind, als WhatsApp. Aber, bei genauer Betrachtung haben alle „sicheren“ Kandidaten auch ihre Schattenseiten. Bei einigen liegt der Quellcode offen, bei anderen nicht. Einige legen ein Backup der Nachrichten, im Idealfall verschlüsselt, auf den Servern ab, andere nicht. Ob und wie Telefonnummern und eMail-Adressen auf die Server hochgeladen werden, darüber schweigen sich alle aus. Das wundert, denn für die „Suche nach weiteren Nutzern des Programms“, muss es ja irgedwo eine Referenz-Datenbank geben. Oder glaubt irgendwer, dass Mobilfunknummern und/oder eMail-Adressen bei der Suche nach anderen Nutzern, mit dem Telefonbuch, oder den Gelben Seiten abgeglichen werden.

WhatsApp hat zugegebener Maßen Vorteile. Allerdings fällt mir da als einziger Vorteil nur die weitreichende Verbreitung ein. Die drei Messenger, die sich nun um den ersten Platz als „sichere Alternative“ um die Gunst der Nutzer drängen, sind, Threema, myEnigma und Telegram. Alle drei haben Potential, was niemand abstreiten kann. Aber wirklich sicher ist letztlich keines. Die große Schwachstelle ist bei Allen die Tatsache, dass niemand wirklich garantieren kann, dass die Server sicher sind und Nutzerdaten und Nachrichten weder gespeichert, noch an Dritte weiter gegeben werden. Hier liegt das Problen allerdings bei den Nachrichten, die zumindest so lange gespeichert bleiben müssen, bis der Empfänger sie bekommen hat. Nicht einmal die Tatsache, dass die Server von Threema und myEnigna in der Schweiz stehen, ist ein herausragendes Sicherheitskriterium, da die Schweiz zur Zeit darüber berät, seinen Geheimdiensten erweiterte Befugnisse beim Zugriff auf Telekommunikation einzuräumen.

Ich höre jetzt schon die WhatsApp-Verfechter und Umsteigebequemlinge geifern: „Siehste, siehste, siehste, hab ich doch immer schon gesagt. Da kann man doch direkt bei WhatsApp bleiben.“ – kann man. Man kann aber auch mit einem Sieb Wasser aus dem Teich in einen löchrigen Eimer schaufeln, um damit ein brennendes Haus zu löschen.

Im Ernst, jede Möglichkeit der verschlüsselten Nachrichtenübermittlung ist besser als das, was der derzeitige Platzhirsch bei den Messengern anbietet. Dass sich daran bei WhatsApp, durch die Übernahme durch Facebook, nichts ändern wird, dürfte klar sein. Eine „End-zu-End Verschlüsselung“ für Nachrichten und Gruppenchats, Client-Server-Client Verschlüsselung, nur temporäres speichern von Nachrichten auf den Servern und der völlige Verzicht auf eine Speicherung von Nutzerdaten, lebenslang kostenlos bei völliger Werbefreiheit, individuell konfigurierbar und nachrüstbar mit Gateway-Apps zu den jeweils anderen Messengern, verschlüsselte Anbindung an Clouddienste, verschlüsselte Schnittstelle zu Google-Kalender und zur Kaffeemaschine, kämen dem Idealfall schon recht nahe. Das alles zusammen kann aber keiner der drei Kandidaten allein für sich verbuchen. Hier bleibt nur zu überlegen, was man als Nutzer wirklich will und sich dem entsprechend das Programm, oder die Programme zu suchen.

Fakt ist doch, seit es Messenger gibt, hat es wohl noch nie jemand geschafft, alle seine Kontakte in wirklich nur einem Messenger zu versammeln. Ich erinner nur an die, jedem individuell heilige Vierfaltigkeit aus ICQ, AOL, MSN und Yahoo. Unsicher wie sonst was, aber jeder war über mindest einen dieser Messenger zu erreichen. Gut, für die Vier gibt es mittlerweile Multimessenger, so dass man statt vier, nur ein Programm installieren muss. Solange es das für WhatsApp, Threema, myEnigma, Telegram und die, die es da noch so gibt, nicht gibt, wird man sich wohl selber für mindest ein anderes Programm neben WhatsApp entscheiden müssen – denn, die große Masse entscheidet sich nicht, aus plötzlicher Angst um die eigenen Daten, diesem WhatsApp den Rücken zu kehren.

Was nun den Schutz der eigenen Daten angeht, so gilt immer noch, der nach wie vor beste Datenschutz ist der gesunde Menschenverstand. Und, die am besten geschützten Daten sind die, die erst gar nicht irgendwo zur Übermittlung eingetragen werden.

Ich für meinen Teil, habe nach wie vor meinen Multimessenger für die vier Uralt-Messengerprogramme und ich werde WhatsApp erstmal nicht deinstallieren. Ich kann und will von meinem Bekanntenkreis weder erwarten noch verlangen, dass sich jetzt alle auf eine der sogenannten „sicheren Alternativen“ einigen. Allerdings habe ich myEnigma und Telegram auf dem Smartphone, für die jenigen, die sich bereits von diesem WhatsApp los gesagt haben.

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