20 Jahre – und 570 Pokémons später

20 Jahre ist es her, dass die ersten Pokémons gefangen, trainiert und in Kämpfe mit anderen Pokémons geschickt werden konnten. Liebe Kinder von heute, auch vor 20 Jahren gab es schon Kids, die stundenlang auf einen kleinen Kasten in ihren Händen starrten, mit den Daumen, damals noch mechanische, Knöppe bedienten und die, wenn man sie ansprach, meist nur ein einzigens Wort ohne zu stammeln raus bekamen: Pikachu.

Etwas hat sich in den letzten 20 Jahren aber aber doch geändert. Sah man seine Brut damals oft stundenlang nicht mehr, weil sie sich mit dem GameBoy in die hinterste Kinderzimmerecke verkrochen hatte, manchmal unter der Bettdecke, unterm Bett, oder gar im Schrank, um vor störenden Elterlichen Signalen geschützt zu sein, findet das Pokémon-Revival „Pokémon Go“ heute draußen statt.

Was sich in den 20 Jahren verändert hat? 1969 wurde das Spiel erstmals veröffentlicht. Pokémons konnten von den Spielern gefangen, gesammelt und trainiert werden. Durch Kämpfe gegen andere Pokémons kann der Spieler zum Pokémon-Meister aufsteigen. Es gab dazu Sammelkarten, eine Anime-TV Serie, gut 17 Kinofilme und Merchandising-Produkte jedweder Art. Von Anfang an war das Spiel in ein enges, sehr gut durchdachtes Marketingkonzept eingebettet.

Heute geht die GameBoy-Generation von damals, mit der Smartphone-Generation von heute gemeinsam auf die Jagt nach den kleinen Monstern. Auch die Zahl der Pokémons hat sich erhöht. Von 151 Pokémons zu GameBoy-Zeiten, sind es jetzt gut 721 unterschiedliche Charaktere bei Pokémon Go. Und das Spiel ist durch den Google-Maps Unterbau und die Technik der Augmented Reality (Erweiterte Realität) insgesamt runder geworden. Zusätzlich zu der notwendigen Spiele App, ist quasi über Nacht, ein Pokémon Messenger (bisher nur für Android, Stand: 2016-07-14) entstanden, über den man sich unterwegs mit anderen Spielern austauschen kann. Chats, diverse Gruppen in unterschiedlichsten sozialen Netzwerken, Handbücher, GPS Helfer, und, und, und… Das Angebot ist beinahe unüberschaubar.

Das alles muss irgendwie auch finanziert werden. Nintendo/Niantic fährt dabei auf seiner bekannten Linie und finanziert das Spiel über Merchandising und Werbeeinnahmen. Für Pokémon Go sind da auch „inApp-Käufe“ und gesponsorte Pokéstops. Werbekunden können „Köder“ und „Pokéstops“ kaufen, die der Spieler dann auf seinen Wegen ansteuern kann (und soll). Einen „Shiggi“ dann etwa bei einer bekannten Burger-Schmiede vor der Verkaufstheke, oder „Plinfa“ in einem Drogeriemarkt vor den Pflegeprodukten zu finden, wäre so nicht ganz abwegig.

Leider hat die ganze Sache auch eine nicht zu unterschätzende Schattenseite. Da es bereits vorgekommen ist, dass es durch gefakte Köder und Pokéstops zu Überfällen gekommen ist, sollte man, so interessant das Spiel auch sein mag, sich nicht unbedacht auf alles verlassen, was einem angeboten wird. Es ist doof, wenn man, egal ob Kind, Jugendlicher oder Erwachsener, an einen Ort gelockt wird, wo einem das Smartphone inklusive anderer Wertsachen abgenommen wird. Da kann aus einem Spiel, schnell auch blutiger Ernst werden und die Augmented Reality sorgt für ein böses Erwachen.

Dringende Warnung an dieser Stelle: Wenn ihr draußen Pokémons jagt, bitte nicht alleine an Orte gehen, die euch nicht bekannt sind. Sprecht euch mit Freunden ab, teilt euren Standort immer über Messenger (Whatsapp, oder Ähnliche) anderen mit und geht niemals mit Fremden, um ein vermeintlich seltenes Pokémon zu fangen. Es kann immer passieren (und es ist schon passiert), dass ihr in einen Hinterhalt geratet und selber zum gejagten Pokémon werdet.

So, und jetzt geh ich auch mal jagen. Nein, keine Pokémon, sondern meinen Kater Bailey. Rumtoben mit mir, ist für ihn Augmented Reality – und seine Beute sind immer Leckerlis.

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